Dostojewski lesen (Woche 3)

In dem dritten Teil meiner Einleitung zu Die Brüder Karamasow

versuche ich ein paar Regel aufzustellen, worauf man beim Lesen achten sollte.

Meine Antwort: Die Personen, und die Spannung ist der sie stehen.

 

Wenn ich etwas weiß, nach fünf Jahren Theologiestudium und 15 Jahren intensiven Leseerfahrungen, dann das: Ein guter Text ist nicht leicht zu verstehen. Ich habe jetzt fünf Jahre lang studiert, wie ein Text von weniger als 2000 Seiten in den letzten 3000 Jahren oder mehr ausgelegt wurde; und niemals sind wir an den Punkt gekommen, wo der Professor uns gesagt hat: „Und dann hat endlich jemand herausgefunden, wie es wirklich ist. Und alle Diskussionen waren beendet.“

Allerdings haben wir auch nie über Hannah Arendt gesprochen.

Aber das ist ein anderes Thema.

Ich sage, dass jeder Text, der es wert ist, gelesen zu werden, seine eigenen Tücken mit sich bringt. Und wenn man bedenkt, dass sich an dem Text, den wir gemeinsam betrachten wollen, ein ganzer Forschungszweig der Slawistik entzündet hat, sollten wir eine Hoffnung bald aufgeben: dass wir den Text verstehen werden.

Das bedeutet aber nicht, dass ich euch zur Lektüre eines Textes eingeladen habe, der wie ein Dadaistisches Gedicht ist.

Ein Fischge, Fisch, ein Fefefefefischgerippe. [i]

Ich möchte unsere Erwartung an den Text nur in die richtige Perspektive rücken. Wir werden diesen Text nicht völlig verstehen; dafür ist er zu vielschichtig, und dafür sind die Interpretationsansätze zu unterschiedlich.

Ein Stück weit möchte ich mit dieser Ankündigung auch eine Last von meiner Schulter nehmen. Als Interpret eines so bedeutenden Werks steht man nämlich immer unter dem skeptischen Blick der Mitinterpreten. Sigmund Freud hat, in seiner berühmt gewordenen Interpretation der Brüder Karamsow so schamlos auf seine eigene Methode der Psychoanalyse zurückgegriffen, dass man seinen kurzen Text selbst schon als Kunstwerk bezeichnen kann.

Einer kritischen Analyse halten aber weder die historischen Begebenheiten stand, auf die er sich beruft, noch seine Interpretation der Stellen selbst.

Was nicht bedeutet, dass sein Interpretationsansatz wertlos wäre.

Es sagt vor allem, dass die Brille, mit der Freud gelesen hat, erheblich anders getönt war, als die der gegenwärtigen Interpreten.

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Allerdings schreibe ich ja bewusst aus einer Laienperspektive. Ich mag vieles zu Dostojewski gelesen haben, aber ich habe keinerlei professionelle Ausbildung, sein Werk wirklich zu interpretieren. Dafür ist schon die Sprachbarriere zu den Originalwerken zu groß.

Der Rückzug auf den Liebhaber-Standort macht die Interpretation wieder leichter. Er gibt einem sozusagen Narrenfreiheit. Selbst die skeptischsten Interpreten freuen sich ja, wenn Leidenschaft für das Werk geweckt wird.

Und als Laie möchte ich euch, als meinen Mit-Laien und hoffentlich Liebhaber der Literatur in Zukunft auch Mut machen: Kein Buch mit sieben Siegeln sind Die Brüder Karamasow, sondern ein Buch mit vielen Schichten, von denen jede sich lange genug betrachten lässt.

Genauso wie Oger sind die Brüder Karamasow wie Zwiebeln.

Sie stinken? - Nein! Esel! Sie haben Schichten.

Ich werde mich auf eine konzentrieren.

 

Die Personen – Dostojewskis Spezialgebiet

 

Als Dostojewski mit 27 Jahren auf der Bildfläche der russischen Literatur erscheint, tut er das so:
„Meine teure Warwara Alexejewna! Gestern war ich glücklich, über die Maßen glücklich, unglaublich glücklich!“[ii]

Was für ein enthusiastischer Anfang für einen Roman, der sich mit der Hoffnungslosigkeit der Unterschicht in Russland Mitte des 19. Jahrhunderts befasst.

Von diesem ersten Roman an waren die Menschen in seiner Zeit Dostojewskis wichtigstes Sujet. Das ist nun freilich über jeden Roman irgendwie zu sagen. Was sonst beschreibt ein Roman, als die in ihm handelnden Personen?

Was also ist das besondere an Dostojewskis Betrachtung der Personen?

Dostojewskis Figuren sind anders, irgendwie roher, als die Figuren in anderen Romanen. Und hat seine Ursache in den Umständen, aus denen sie geboren werden, sowie ihrem Bezug zur Realität.

Wenn Dostojewski Charaktere erschafft, dann schöpft er aus dem Fundus von Menschen, die ihm in Sibirien begegnet sind. Sie sind es, in denen er nicht nur das erkannt hat, was Hannah Arendt viele Jahrzehnte später die „Banalität des Bösen“ nannte, sondern auch die, in denen er die Fähigkeiten des begnadigten Menschen erkennt.

Aber auch schon vor Sibirien war Dostojewski von der Realität fasziniert. Seinen ersten Roman – Arme Leute – schrieb er wegen einer epiphanie-ähnlichen Erfahrung, die er am Ufer der Newa hatte, mitten in St. Petersburg. Geir Kjetsaa fasst das so zusammen:

 

„Vor dieser ‚Vision an der Newa‘ hat er in einer romantischen Traumwelt gelebt – in entfernten Ländern und weitentfernten Zeitaltern, die von edlen Rittern und schönen Italienerinnen bevölkert waren. Aber von diesem Augenblick an träumte er von anderen Dingen. Er hatte nämlich erkannt, dass nichts phantastischer war als die Wirklichkeit.“ [iii]

 

Es ist also nicht einfach so, als würde Dostojewski in journalistischem Interesse die Realität darstellen wollen, wie sie ist. Er war klug genug, zu wissen, dass einem solchen Unterfangen unser menschliches Wesen im Wege steht. Außerdem hatte er kein Interesse daran – was denn, fragte Dostojewski, war die Wirklichkeit?

Waren es die äußeren Begebenheiten? Das wir mit unseren Augen sehen und unseren Händen fühlen konnten?

Oder war die Wirklichkeit die tiefere Dimension im Menschen? Sein Herz, seine Seele?[iv]

Dostojewskis Schreibstil wurde dann auch „romantischer Realismus“ oder „psychologischer Realismus“ genannt.

An diesem Punkt im Denken Dostojewskis treten die Menschen auf, die er in der Gefangenschaft in Sibirien kennengelernt hat. Dort ist er mit einem anderen Menschenschlage konfrontiert als die Bildungsbürger, mit denen er sich in St. Petersburg umgeben hatte.

Horst-Jürgen Gerigk analysiert diese Weichenstellung:

 

„Ohne sich das vorzunehmen, wird Dostojewskij unter Verbrechern in Sibirien zum Kriminologen: Wie wird jemand zum Mörder? Wie verhalten sich die verschiedenartigen Täter nach der Tat? Gibt es den geborenen Verbrecher? Hat jeder Mensch Gewissen? […] Ist der Straftäter immer auch Opfer seines Milieus, oder hat er unter allen Umständen einen freien Willen? Alle diese Fragen tun sich für Dostojewskij im Toten Haus auf. Aus all diesen Fragen beziehen seine fünf großen Romane, die er zwischen 1866 und 1880 veröffentlicht, ihre leitenden Problemstellungen. […] Ja, Dostojewski sieht den Menschen als Angeklagten: mit einem Tabu in seiner Seele, das den Zugriff blockiert“.[v]

 

Was für Erkenntnisse ziehen wir also aus dieser Weichenstellung, wenn es um die Interpretation des Werkes geht?

Zum einen sollte man sich darauf gefasst machen, dass die Geschichte sich den Figuren unterordnet. Jeder Roman Dostojewskis ist geschrieben, um die Figuren plausibel zu machen, nicht umgekehrt. Der amerikanische Theologe David Bentley Hart hat diesen Unterschied zwischen Dostojewski und Tolstoi in einem Artikel auf den Punkt gebracht – und deswegen das Urteil gefällt, Tolstoi wäre der bedeutendere Künstler. Laut Bentley Hart ist es Tolstoi, im Gegensatz zu Dostojewski, gelungen, solche Figuren zu erschaffen, mit denen man sich gleich verbunden fühlt, die nicht aus der Vorstellungskraft des Autors geboren sind, sondern aus der Wirklichkeit, die wir Tag für Tag erleben. Dostojewski dagegen habe seine Figuren seine Philosophie untergeordnet.

So sehr ich Bentley Hart schätze, und so sehr ich mir des Bildungsunterschieds zwischen dem großen philosophischen Theologen und mit bewusst bin, möchte ich doch widersprechen.

Das besondere an den Figuren Dostojewskis ist nicht, dass sie aus der erkannten Realität entspringen, sondern aus der erlebten Realität – sie sind subjektive Bilder des Autors; aber in einem Maße zeitlos gültig, die ihresgleichen suchen.

Nicht die Geschichte macht die Figuren in Dostojewskis Werk, sie legt um die Figuren, die als Mahnmale in der Landschaft der Literatur stehen. Als solche sind sie überspitzt, sind sie idealisierte Figuren eines bestimmten Menschenschlages.

Niemand ist seinen Leidenschaften so unterlegen wie Mitja, niemand so dem Verstand verschrieben wie Iwan. Keiner kann jemand die religiöse Selbstlosigkeit Vater Sossimas erreichen. Und „wieso lebt ein solcher Mensch“ wie der alte Karamsow überhaupt? Für Dostojewski, besonders in Die Brüder Karamsow funktionieren die Figuren in der Weise, wie er die Wirklichkeit erlebt.

Der Leser sollte sich bewusst machen, dass die Figuren, die wir treffen werden, realistisch sind; aber nicht als Fotographie, als Momentaufnahme ohne subjektive Färbung. Sie sind nur im Sinne Dostojewskis realistisch: eine Darstellung der seelischen Wirklichkeit, die Natur und Materie weit übersteigt.

 

Der Gegensatz – Dostojewskis Methode

 

Dostojewskis Erleben der Wirklichkeit – und seine Darstellung desselben in seinen Romanen – sind gezeichnet von einem Kunstgriff, der in Die Brüder Karamsov besonders deutlich wird: der Gegensatz. Dostojewski schafft ein sehr komplexes Bild von gegenseitig vollkommen entgegenlaufenden Figuren, deren Weltanschauung nicht unterschiedlicher sein könnte.

So gibt der Autor seinen Lesern keine Interpretation der Wirklichkeit vor, sondern lässt sie auf eine faszinierende Weise selbst wählen.

Ist Aljoschas Antwort auf Iwans Der Großinquisitor ausreichend?

Ist Iwan der Wirklichkeit auf die Schliche gekommen, oder verrückt geworden?

Ist Dimitri ein guter Mensch mit schlechten Angewohnheiten, oder ein schlechter Mensch, der hin und wieder Gutes tut?

Wer liebt Dimitrij wirklich – Gruschenka? Oder Katja? Und was ist Liebe in dem Fall?

Ist Smerdjakow von Angst oder Rachegelüsten angetrieben? Beides?

Die Linie des Gegensatzes verläuft innerhalb der Figuren selbst, zwischen einzelnen Figuren, und im großen Bild zwischen den Weltanschauungen.

Ich will alle drei kurz skizzieren als Hilfestellung, die verschiedenen Interaktionen besser zu verstehen:

 

I.                     Die Weltanschauungen im Widerstreit

 

Gerigk fasst Dostojewskis Weltanschauung nach Sibirien eindrücklich zusammen, als er schreibt:

 

„Eine Welt, in der Verhör, schlechtes Gewissen und Strafe die maßgebenden Realitäten sind, ist allerdings keine angenehme Welt. Deshalb beschwört Dostojewskij als Gegenkraft, das Licht in die Finsternis bringen soll, das Christentum.“[vi]

 

Man kann davon sprechen, dass in Dostojewskis Werk das Christentum (der Glaube an „Gott und die Unterblichkeit“) in ständigem Ringen ist mit dem Atheismus. Dostojewski selbst hat von sich gesagt, dass sein  „Hosanna nur aus einem brennenden Feuerofen des Zweifels hervorgebrochen“ sei.

In seinen Romanen begegnen wir Dostojewski, dem Zweifler, dem Denker, der mit den Intellektuellen seiner Zeit ringt. Und er macht es sich mit der Antwort nicht einfach. Es gibt sogar Interpreten, die sagen, dass er sich die Antwort so schwer gemacht hat, dass er sie selbst nicht mehr gefunden hat. Der Großinquisitor, sagen viele, ist eine so starke Verteidigung der Gott- und Religionslosigkeit, dass Dostojewski sie selbst nicht mehr beantworten konnte, und infolgedessen zum Atheisten geworden ist.

Ob das stimmt, werden wir bei gegebener Zeit sehen.

Wichtig für uns ist zu sehen, dass Dostojewski sich nicht eignet, für unsere apologetischen Zwecke eingespannt zu werden – ob es die Verteidigung des Christentums oder des Atheismus ist. In seinen Romanen ringen zwei Weltanschauungen miteinander, und Dostojewski greift in diesen Kampf nicht ein.

Er lässt sie ihre Gegensätze gegeneinander ausspielen, zeigt beide Seiten mit unverhohlener Schärfe, und stellt dem Leser am Ende die Frage: Und du? Wie willst du dich entscheiden?

 

II.                   Die Charaktere in der Konfrontation

 

Ein zweiter wichtiger Gegensatz findet sich in der Darstellung der Charaktere. In den Begegnungen der Figuren miteinander mischt sich dauerhaft eine Angespanntheit ein, Harmonie ist zwischen den Figuren nur selten zu finden.

Jeder Figur ist ein Antagonist an die Seite gestellt, der sich durch den ganzen Roman zeigt. Gleichzeitig finden sich gegensätzliche Züge zwischen allen Figuren in den Momenten, in denen sie aufeinander treffen. Manchmal fühlt sich der Roman so an, als würde man einem Sack voll Magneten beim Tanzen zusehen – sie können sich nicht annähern, stoßen sich ab, aber bleiben doch verbunden.

Dadurch ist der Roman sehr dualistisch aufgebaut, in Zweierpaaren treten die Figuren auf wie vor dem Eingang der Arche, nur dass sie sich hier kabbeln wie die Kinder.

 

III.                 Die Einzelnen im Ringen mit sich

 

Nicht unbedeutend ist auch die Gegensätzlichkeit, die sich durch die Figuren selbst zieht. Im ganzen Roman gibt es eigentlich nur zwei Figuren, die sich in ihrer eigenen Identität absolut sicher sind – und beide sind am Ende des Romans tot.[vii]

Alle anderen Figuren sind mit bestimmten entscheidenden Charaktermerkmalen ausgezeichnet – Dimitrij ist der Leidenschaftliche, Iwan der Rationale, Aljoscha der Liebevolle usw. – aber keine dieser Figuren ist damit eigentlich glücklich. Es ist in den Figuren selbst eine Sehnsucht zu spüren, anders zu sein, mehr wie der andere, von dem man sich gleichzeitig abgestoßen fühlt.

Dabei sollte man bedenken, dass die Hauptfiguren in diesem Roman noch verhältnismäßig jung sind – Dimitrij als ältester Sohn ist 28, Aljoscha als jüngster 20 Jahre alt. Sie befinden sich als in der klassischen Findungsphase des jungen Erwachsenen, schon eigenständig genug, um den Wunsch nach einer ausgebildeten Identität zu verspüren, aber noch nicht erfahren genug, um diese in Zement zu gießen.

Dadurch haben die Figuren nicht nur etwas existenziell-menschliches, mit dem sich die Leser identifizieren können, sondern auch etwas sehr dynamisches. Die Konfrontation mit den ihnen gegensätzlich gelagerten Personen wird dadurch auch eine Selbstreflexion:

Kann ich zufrieden werden mit dem, was ich habe, was ich bin?

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Mit diesem Artikel ist meine Einführung in Dostojewskis Werk beendet, und wir können die Lektüre des Romans beginnen. Am Ende dieses Artikels habe ich den Leseplan noch einmal angefügt.

Die Artikel über die einzelnen Abschnitte werden wesentlich kürzer sein als diese übersichtsartigen Einführungsartikel. Bitte vergebt mir die vielen Worte, aber wer russischer Literatur begegnen will, muss sich darauf wohl gefasst machen.

 

Viel Gnade und Segen euch,

MBH

 



[i] Schwitters, Kurt, Kleines Gedicht für große Stotterer, Quelle: http://www.sonoma.edu/users/g/grobbel/
Schwitters.htm; letzter Zugriff: 01.03.2016

 

[ii] In der Übersetzung von Hermann Röhl, u.a. im Anaconda Verlag erhältlich

 

[iii] Kjetsaa, Geir, Dostojewski. A Writer’s Life, London: MacMillan 1987, S. 43; deutsch durch mich. Originalzitat: “Before this ‘vision on the Neva,’ he had lived in a Romantic dream world of distant lands in distant times, inhabited by noble knights and Italian beauties. From this moment on, he began to dream of other things, for he had discovered, that there is nothing more fantastic than reality itself. And within this fantastic reality, he had glimpsed the images of the poor scrivener Devushkin and the orphan Varenka.”

 

[iv] Diese Weichenstellung bei Dostojewski wird besonders in seinem Disput mit den Künstlern seiner Zeit deutlich. Kjetsaa (A.a.O., S.137) beschreibt zwei Positionen, die es in der russischen Literatur zu Dostojewskis Zeit gab. Die einen betrachteten die Kunst als eine Flucht vor der Realität, als von ihr entfernt und abgehoben. Sie musste nicht so sehr mit ihr zu tun haben, als die Menschen und ihren Geist daraus befreien. Gleichzeitig sagten die Sozialisten unter den Künstlern, dass jede Dichtung keinen Wert hat, die sich nicht in der Wirklichkeit gründet – und das war, für sie, die Darstellung von Ungerechtigkeit und Armut – und sie dadurch verändert. Dostojewski versuchte, zwischen diesen Positionen zu vermitteln. Natürlich, sagte er, musste das Objekt der Dichtung sich in der Wirklichkeit gründen. Aber die Wirklichkeit ist weit mehr als nur das, was das Auge erfasst. Sie liegt tiefer, in der Wahrnehmung, die Geistlichkeit des Menschen.

 

[v] Gerigk, Horst-Jürgen, Dostojewskijs Entwicklung als Schriftsteller, Frankfurt/Main: S.Fischer 2013, S.33f

 

[vi] A.a.O., S.34

 

[vii] Wer diese Figuren sind will ich, um der Spoilergefahr willen, nicht verraten. Aber ihr werdet schnell darauf kommen.

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Kommentare: 2
  • #1

    David Kindt (Montag, 24 Juli 2017 21:44)

    Vielen Dank für diesen Artikel!
    Ich finde ihn alles in allem sehr gelungen und treffend.
    Vor allem der Teil zu den Personen.
    Ich schreibe noch viel mehr aus einer Leihenperspektive als Sie, aber ich lese seit meinem 15. Lebensjahr Dostojewski (seit 17 Jahren), inzwischen zum Teil im 3. Durchlauf (Swetlana Geiers Übersetzunge der Brüder Karamasov), und denke genau wie Sie betr. die Textstelle:
    "Laut Bentley Hart ist es Tolstoi, im Gegensatz zu Dostojewski, gelungen, solche Figuren zu erschaffen, mit denen man sich gleich verbunden fühlt, die nicht aus der Vorstellungskraft des Autors geboren sind, sondern aus der Wirklichkeit, die wir Tag für Tag erleben. Dostojewski dagegen habe seine Figuren seine Philosophie untergeordnet."
    Nirgendwo spüre ich eine derartige Verbundenheit zu den Charakteren wie bei Dostojewski, nirgendwo springen Sie mir so lebendig aus jedem Satz entgegen wie bei Dostojewski. Das Seelenleben dieser Menschen ist zutiefst verwurzelt in der Wirklichkeit in der wir leben.

    " Das besondere an den Figuren Dostojewskis ist nicht, dass sie aus der erkannten Realität entspringen, sondern aus der erlebten Realität – sie sind subjektive Bilder des Autors; aber in einem Maße zeitlos gültig, die ihresgleichen suchen.
    Nicht die Geschichte macht die Figuren in Dostojewskis Werk, sie legt um die Figuren (...)"-wie wahr!

  • #2

    MBH (Mittwoch, 09 August 2017 14:55)

    Lieber Herr Kindt,

    vielen Dank für die Rückmeldung - und entschuldigen sie die späte Reaktion: die Email mit der Benachrichtigung für ihren Kommentar ist im Spamordner gelandet, und ich habe es gerade erst gesehen.
    Ich selbst erlebe Dostojewskis Figuren auch als unheimlich nah an der Realität; gleichzeitig ist es wohl vor allem das existenzielle Ringen der Figuren mit den großen Fragen des Lebens, die mich auch so stark beschäftigen: dadurch die die Brücke von den Figuren zu mir schneller geschlagen :)

    Viele liebe Grüße
    Marcus