Davon die Alten sungen... (01/03/2016)

In diesem Monat ist Ostern, und ich bete jede Woche ein Osterlied.

In dieser Woche denke ich darüber nach, wie beruhigend es ist,

dass Gott seine Versprechen hält.

 

Christian Fürchtegott Gellert – Jesus lebt! Mit ihm auch ich #1

 

Gott erfüllt, was er verspricht;

Dies ist meine Zuversicht.

 

In der US-amerikanischen Fernsehserie The Good Wife geht es um Anwälte und allerlei Intrigen in den Verwicklungen von Politik, Hochfinanz und anderen Dingen in Chicago.

Ich bin natürlich ein großer Fan!

Als am Ende der sechsten Staffel (Spoiler-Alarm!) die Protagonistin Alicia Florrick ihren gerade erhaltenen Posten als States Attorney wieder aufgeben musste, fragt sie bei ihrer alten Kanzlei an, ob sie dort wieder arbeiten darf. Immerhin: Es ist die Kanzlei, die sie selbst gegründet hat, nachdem sie eine Staffel vorher ihrer alten Kanzlei allerhand Klienten gestohlen hatte.

Alicias ehemalige Chefin, Diane, beendet dieses Gespräch mit den Worten: „Das hier ist Zuhause, Alicia. Willkommen zuhause.“

Alle Zeichen stehen auf Happy End, bis Alicia nach Hause kommt und erfährt, dass Diane, zusammen mit ihren Kollegen, versuchen, Alicias Klienten abspenstig zu machen. Und Alicia steht nicht nur vor der Gefahr, ohne Klienten und Jobs da zu stehen, sondern auch vor den Scherben des zerbrochenen Vertrauens.

Natürlich leben Fernsehserien von dieser Art von Drama, von dem Tempo, das damit in die Geschichte kommt, und von den Szenen der Verzweifelung oder der Versöhnung, die man daran anschließen kann. Die Realität kann viel harmonischer sein, oder auch intriganter.

Aber ich dachte trotzdem: So willst du doch nicht leben.

Für eine Zeit kann ich mich davon unterhalten lassen; aber diese Art von dauerhaften Misstrauen, dass die Menschen darin ihren Mitmenschen gegenüber aufbringen müssen, um nicht zu jedem Zeitpunkt hintergangen zu werden, ist für mich eine schreckliche Vision des Lebens.

Hier ist Zuhause, Alicia. Und doch schaust du dir ständig über den Rücken.

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Jetzt werden in einer solchen Serie natürlich wesentlich gewichtigere Zusammenhänge dargestellt, als ich in meiner kleinen Welt als Autor, Blogger, Theologe, Jesusnachfolger jemals begegnen werde. Zumal es sich ja auch nicht um eine Dokumentation handelt.

Und trotzdem: Die Frage nach dem gehaltenen Wort hat mich in den letzten Tagen beschäftigt. Weniger mit der Frage, ob andere Menschen mir übel mitspielen, als mehr mit der Frage:

Halte ich mein Wort?

Vor einigen Monaten habe ich einen Artikel gelesen, in dem der Autor sich darüber beklagt, wie schwer es ihm fällt, eines der bedeutendsten Versprechen zu halten, die er regelmäßig gibt: „Ich werde für dich beten.“

In christlichen Kreisen kommt dieses Versprechen schneller über unsere Lippen, als wir es kontrollieren können. Der Autor des Artikels beklagte sich dann über seine eigene Unfähigkeit, das auch wirklich einzuhalten. Nicht, dass er es nicht wollte; er vergaß es einfach schneller, als er diese ganzen versprochenen Gebete sprechen konnte.

Diese Vergesslichkeit wird natürlich niemand so schnell mitbekommen; aber die Frage für mich bleibt, ob ich als Mensch gelten kann, der zu seinem Wort steht.

Was er verspricht, das hält er.

Es ist ein nobler Vorsatz, seine Versprechen auch zu halten. Aber wie schwer das ist, merken wir nicht zuletzt an den Versprechen, die wir zum Anfang des Jahres uns selbst geben. Sobald die Motivation verblasst, sobald die Schwierigkeiten die Vorteile überlagern, sobald die ersten, leisen Zweifel an der Wirkung und Bedeutung des Versprechens sich einstellen, steigt auch die Hürde, die wir zum Einhalten überwinden müssen.

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In diesem Monat bete ich jeden Morgen das Lied von Christian Fürchtegott Gellert, in dem jede Strophe mit dem freudigen Ausruf beendet, dass „darin […] meine Zuversicht“ ist. Und meine Zuversicht, sagt Gellert, liegt in vielen verschiedenen Dingen, die ich am auferstandenen Christus sehen kann.

Besonders bewegt mich dieses Bekenntnis in Strophe zwei, dass Gott seine Versprechen hält. Ein Gott, der seine Versprechen hält, ist der Grund dessen, dass ich hoffnungsvoll und zuversichtlich in die Zukunft schauen kann.

In der Auferstehung des Gottessohns an Ostern erkenne ich diesen Gott: Er vergisst nicht, was er versprochen hat; und auch wenn es länger dauert, als erwartet: er bringt zustande, was er versprochen hat. Keine Zweifel machen sich bei ihm breit, keine Hürde ist ihm zu groß, und er hat auch keine Bedenken, was die Wirkung seines Versprechens angeht: Er macht mich neu, er macht diese Welt neu, und ich vertraue darauf, dass er das auch weiterhin tut – bis er fertig ist.

Warum?

Weil er es versprochen hat.

Und er im Halten seiner Versprechen einfach besser ist als ich.

 

Viel Gnade euch,

 

MBH

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