Bloggen, Schreiben, Jahrespläne

Jedes Jahr schreibe ich ein paar Pläne auf, wie ich es im kommenden Jahr mit meinem Blog zu halten gedenke.

Nicht immer schaffe ich, allen diesen Plänen nachzugehen.

Aber trotzdem sind sie hilfreich, als eine Art gutmütiger Zuchtmeister. Hier sind meine Pläne für 2016.

 

Als ich vor nunmehr viereinhalb Jahren angefangen habe, regelmäßig zu bloggen, wusste ich eigentlich nicht, was auf mich zukommt. Ich hatte nicht mehr als ein paar unfertige Gedanken, die aus einem Theologiestudium entspringen, eine ganze Menge Frustration über den Stand der Dinge, wenn es um die Internetlandschaft der speziell evangelikal geprägten Frömmigkeit ging, und in mir den nicht zu stillenden Durst zu schreiben.

Manches hat sich gewandelt seit diesen ersten Tagen. Zum einen habe ich mit meinen regelmäßigen Rezensionen einen gewissen Rhythmus gefunden, in dem ich es schaffe, zu veröffentlichen. Außerdem habe ich eine Plattform gefunden, die weniger nach der Hobby eines frühreifen Teenagers aussieht, mit der ich mich auch gegenüber einer größeren Öffentlichkeit verantworten kann. Wenn ich die Rückmeldungen von manchen von euch richtig deute, dann haben sich auch meine Schreibkünste und die Ordnung meiner Gedanken über die Jahre geschärft und verbessert.

Im Rückblick – und gerade ist ja die Zeit der Rückblicke – ist das Bloggen mir zu einer der wichtigsten Konstanten geworden in einer Zeit, in der die eigene Spiritualität ob des Studiums und diverser (Neben-)Beschäftigungen eines ständigen Erodierens und einer ebenso steten Neuausrichtung ausgesetzt ist. Vielfach hat mein Blog für mich als ein Parkhaus für Ideen gedient, Fragmente die ich irgendwo parken wollte, und deren Standfestigkeit ich in einer raueren Welt als der meines juvenilen Verstandes testen wollte.

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Eine Zukunftsprognose abzugeben, wenn man weder die Gabe noch die Hybris des Sehers besitzt, ist immer mehr das Aussprechen eines Wunsches, denn eine festgeschriebene Orientierungssicherheit. Seit ich blogge habe ich auch Aussichten darauf gegeben, was ich in den jeweils kommenden Jahren zu tun gedenke. Oft ist es dann, durch die verschiedenen Unwegbarkeites des Lebens, anders gekommen. Trotzdem haben diese Pläne mir selbst als Orientierung gedient, mir selbst vor allem als eine Art gutmütigem Zuchtmeister, der Regelmäßigkeit garantieren sollte.

2016 wird sicher ein besonderes Jahr für mich. Zum einen steht mein Abschluss an, der wohl für längere Zeit das obere Ende meiner akademisch-theologischen Laufbahn bedeuten wird. Da eine längere Masterthesis zu schreiben ansteht, wird wohl manches meiner Gedanken hier sich wieder mehr um klassische Theologie und Exegese drehen als um diese Philosophie, die mein Herz und meine Leidenschaft in den letzten Monaten so sehr in ihren Fängen hielt.

Zum anderen habe ich mir selbst ein größeres, intellektuelles Ziel für das Jahr gesetzt, auf das ich meine eigene Lektüre abstimmen will.

Seit vielen Monaten kommen nun vermehrt Christen auf mich zu – manche von euch, als meine Leser, manche Kommilitonen oder Freunde in der Gemeinde – die nach dem Wesen und dem Gehalt der Bibel gefragt haben. Was genau bedeutet es, wenn man an „Irrtumslosigkeit“ glaubt? Und wie spielt darin unsere eigene Interpretation eines irrtumslosen Textes hinein? Kann man noch daran glauben, wenn man sich einer gewissen Form von Intellektualität und Gelehrsamkeit verschrieben hat? Auf meiner Leseliste in diesem Jahr stehen viele Bücher, in denen ich vielen meiner eigenen Fragen bei diesem Dogma begegnen und nachgehen will. Ich werde versuchen, manche meiner Ergebnisse auf meinem Blog euch zugänglich zu machen.

Zum anderen stehen neben dieser thematischen „Verengung“ meiner Lesestreifzüge auch und vor allem viele Klassiker auf meiner Liste für das kommende Jahr. Das bezieht sich sowohl auf die Theologie (Römerbrief von Karl Barth u.a.) wie auch auf Romane (Krieg und Frieden von Tolstoi u.a.). Aus diesem Grund werden die Rezensionen wohl nicht mehr so regelmäßig erscheinen. Ich habe es allerdings so geplant, dass ich zumindest ein rezensier-fähiges Buch pro Monat lesen will, und entsprechend einmal im Monat eine Rezension veröffentlichen werde.

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Das Rezensieren war mir immer eine der liebsten Kategorien, wenn es um meinen Blog ging. Zum einen schreiben sich Rezensionen sehr schön, zum anderen waren die Rückmeldungen oft verhältnismäßig rege und vor allem habe ich durch diese Perspektive meist aufmerksamer die Bücher gelesen, die ich zur Hand genommen habe.

Für das kommende Jahr habe ich eine andere Idee, wie ich meinem Blog Regelmäßigkeit geben und hier jede Woche aktiv sein kann, ohne Rezensionen zu schreiben. In diesem ausklingenden Jahr habe ich zum dritten Mal in meinem Leben Fjodor Dostojewskijs Meisterwerk Die Brüder Karamsov gelesen. Nicht nur war ich ein weiteres Mal tief bewegt davon, außerdem habe ich auch mehrmals von euch und anderen die Frage gestellt bekommen, was genau mich an dem Buch und seinem Autor so begeistert. Immerhin hat Challies mal geschrieben, dass das Lesen von Romanen Zeitverschwendung ist. Wieso also soll ich so viele Stunden in die 1200+ Seiten des alten Russens stecken?

Eine Herausforderung, die ich gerne annehmen möchte. In den letzten drei Monaten habe ich neben dem Buch selbst auch einiges an Lektüre über das Buch gewälzt und fleißig an einer Jahr-füllenden Reihe über dieses Buch geschrieben und meditiert. Ungefähr die Hälfte der Geplanten 46 Artikel zu dem Buch sind schon geschrieben, die anderen werden zeitnah fertiggestellt werden, sodass einem regelmäßigen Erscheinen dieser Kolumne nichts mehr im Wege stehen sollte. Der Gedanke dabei ist, euch das Lesen dieses Werkes – oder besser: das Verstehen – zu erleichtern. Ich habe drei Artikel geschrieben, die als eine Art „Auftakt“ vor der Lektüre gelesen werden sollen: Wieso soll man sich mit diesem Werk befassen, wer ist sein Autor und, vor allem, worauf soll man beim Lesen eigentlich achten? Für die anschließenden 40 Wochen habe ich einen Leseplan entwickelt, bei dem ihr, wenn ihr wollt, jede Woche zw. 30 und 50 Seiten lest – thematisch und abschnittsweise geordnet – und in dem Artikel am Ende der Woche eine Lektürehilfestellung bekommt. Die Artikel sind dabei nicht länger als 700 Wörter, sodass ihr nicht einen „Roman zum Roman“ zu lesen bekommt. Den Abschluss im Dezember bieten dann drei Artikel, in denen ich, etwas länger, meinen Ertrag des Werkes sowohl weltanschaulich, wie auch literarisch zusammenfasse.

Ich hoffe, dass ihr euch traut, mit mir die Reise in die russische Provinz zu machen, Dimitrij, Alexej und Ivan kennen zu lernen, und euch von den Gedanken eines nationalistischen, missionarischen, und liebenswerten Russens herausfordern zu lassen, den manche für den größten Literaten aller Zeiten halten, während andere ihm nichts als Häme entgegenzubringen bereit sind.

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Des Weiteren gedenke ich, im Januar auch meine Reihe über Kirchenlieder wieder aufzunehmen und kurze Meditationen über die Lieder zu schreiben, die uns unsere Tradition bewahrt hat.

Artikel über Politik, Theologie, das Weltgeschehen und die Moral werde ich auch weiterhin schreiben, und hoffe, einen Rhythmus von 14 Tagen hinzubekommen. Außerdem werde ich bis Oktober auch weiterhin auf theilogiestudierende.de weiterschreiben.

Ich freue mich auf dieses kommende Jahr, hoffe euch als Leser weiterhin mit Gedanken versorgen zu können, die euch herausfordern und beruhigen, die euch mehr Staunen lehren über die Gnade Gottes, mehr Ehrfurcht vor seiner Allmacht, und mehr Jubel über seine Gerechtigkeit. Ich hoffe, dass ihr auf meinem Blog weiterhin Gedanken findet, die gleichermaßen verständlich sind für solche unter euch, die sich auf einer Reise mit Jesus befinden, die noch schnuppern und suchen, oder die sich als beinharte Atheisten verstehen. Verständlichkeit, neben Ernsthaftigkeit und Freundlichkeit, waren immer meine wichtigsten Ziele – und denen will ich mich auch im kommenden Jahr verschreiben.

 

Kommt gut ins neue Jahr,

mit so viel Gnade wie geht.

 

 

Marcus-B. Hübner

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