Just a nobody who wants to tell everybody about somebody.

Nachdem ich eine Rezension verfasst habe zu Christoph Heiligs Buch Hidden Criticism, hat er eine Antwort auf meine Rezension verfasst. Darauf wollte ich gerne noch antworten.

Here you go.

Es kann verwirrend werden, wenn man eine Rezension schreibt, und die Rezension beantwortet wird, weswegen man sich dann genötigt fühlt, eine weitere Antwort zu schreiben.

Es ist für mich durchaus faszinierend, dass meine Rezension von Christophs Buch für mehr Rückmeldung geführt hat, als die meisten meiner sonstigen Artikel.

Das mag an dem Ruf liegen, den er an der FTH genießt.

Interessant war für mich dabei, dass die Reaktion meistens allerdings sich nicht auf den eher kritischen, akademischeren Teil meiner Rezension bezogen hat, sondern mehr auf die praktisch-spirituelle Anwendung des Gelesenen auf mein Leben mit Christus. Das ist vermutlich im Hinblick darauf, wie ich meine Rezensionen sonst konzipiere, nicht besonders verwunderlich.

Tatsächlich habe ich entsprechend auf auf diesen Teil meiner Rezension von Hidden Criticism den Großteil meiner Aufmerksam gelegt, und war in diesem Punkt auch positiv überrascht von dem Buch.

Ich empfinde es als Ehre, dass sich Christoph die Zeit genommen hat, auf meine Rezension zu antworten, und ich möchte gerne stichpunktartig einige Punkte aufgreifen, die an meiner Rezension ihm sauer aufgestoßen sind. Dabei hat er sich sehr stark auf akademischere Kritik meiner Rezension konzentriert. Das liegt wohl auch im Naturell der Sache. Mich hätte allerdings auch interessiert, ob er meine „Anwendung“ nachvollziehbar findet.

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Christoph schreibt zu Beginn:


„Auf diesen Einwand möchte ich kurz eingehen – denn diese Aussage scheint sich im Hinblick auf „Hidden Criticism?“ kaum aufrecht zu erhalten und spiegelt wohl vielmehr den einseitigen Fokus der Rezension wider.“


Tatsächlich verspüre ich im Grunde keinen Impuls, den Vorwurf der Einseitigkeit abzuschmettern. Eher würde ich ihn gerne annehmen. Meine Rezension ist mit allergrößter Sicherheit eine einseitige Betrachtung des Buches.

Dafür muss man allerdings auch das Medium betrachten, in dem sie erschienen ist. Mit meinem Blog versuche ich Meditationen zu vermitteln, was es bedeutet, mit einer evangelikalen Spiritualität und einer postmodernen Persönlichkeit in einer Welt zu leben, die Beides als Exklusive ansieht (vgl. dazu den Untertitel meines Blogs).

Deswegen waren die kritischen Anmerkungen auch mehr als ein Zugeständnis gedacht, weniger als existenziellen Aspekt oder Dreh-und Angelpunkt meiner Rezension. Christoph sagt, die Rezension ist „einseitig“ und meint damit – so verstehe ich es zumindest – meine Unsicherheit mit der mathematischen Formel. Ich denke meine Rezension als einseitig, weil ich als einzelner Mensch immer nur eine Seite betrachte; meine Seite ist die Frage, wie ich mehr „Wahrheit“ in meine Spiritualität integrieren kann.

Was nun ist es konkreter, das Christoph an meiner Rezension gestört hat.

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Offensichtlich sind es zum Einen die starke Fokussierung auf den Satz von Bayes, den ich als Engführung empfunden habe, er allerdings als unabdingbar.

Christoph wieder:


„Wenn ein bestehendes Argument auf seine Schlüssigkeit überprüft werden soll, also eine bestehende Methode auf ihre Tauglichkeit, dann müssen irgendwelche Kriterien für „Schlüssigkeit“ benannt werden.“


To state the obvious.

Mein Punkt war eigentlich mehr, dass mir der Satz von Bayestatsächlich nicht ausreichend scheint, um die Komplexität literarischen Schaffens wirklich zu bewerten. Und das mag daran liegen, dass ich Bayes Satznicht genug durchdacht und verstanden habe. Ich habe ja nicht umsonst Mathe abgewählt.

Allerdings: Das scheint mir auch nicht mein Fehler allein zu sein. Für die Bedeutung, die der Satz von Bayes am Ende für das Buch spielt, ist die Einführung erstaunlich kurz gehalten (7Seiten!).

Aber selbst das mag eine sehr einseitige Betrachtung sein, und für die eigentliche Zielgruppe von Hidden Criticism ist Bayes Theorem sowieso Teil der Allgemein- oder Schulbildung.

Doch bedenken wir, dass es sich bei Hidden Criticism um ein historische-methodologisches Buch handelt. Kann man sagen, dass der Satz von Bayesgrundsätzlich als Grundlage für die Plausibilität historischer Ereignisse als gesetzt gilt?

Kurz gesagt: Nein. Und Christoph ist sich dessen auch durchaus bewusst, watscht die Diskussion um diesen Punkt aber sehr Rüde ab. Auch darauf habe ich in meiner Rezension hingewiesen, wenn er die Diskussion um den Satz von Bayes als unnötige Diskussion bezeichnet.

Dabei will ich nicht den Eindruck erwecken, ich wäre irgendwie aufgestellt, mich in diese Debatte einzumischen. Als Rezensent habe ich entsprechend auch nicht den eigentlichen Ansatz kritisiert (zumindest war das mein Ziel), als mehr die mangelnde Grundlagenlegung, die mir allerdings unabdingbar scheint. Christoph benutzt seine Antwort darauf, meine mangelnde Kenntnis der methodologischen Zusammenhänge zu kritisieren. Und er hat ein gutes Recht dazu. Das allerdings war gar nicht das Ziel meiner Kritik; mehr wollte ich dem Buch als Gesamtwerk einen Feinschliff geben, der es besser gemacht hätte.

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An diesem Punkt würde ich gerne auch auf das ungewöhnlich scharfe Zitate von Mark Day eingehen. Denn dem kann ich fast ohne Zähneknirschen zustimmen.

Nur würde ich dabei nicht eigentlich bei mir den Fehler suchen. Aber das ist freilich jedem selbst überlassen. Interessant ist dabei für mich, dass sich Christoph fast ausschließlich auf dem Feld angegriffen gefühlt hat, wo er ganz offensichtlich mehr geschult ist – der aber rein Textlastig nicht einmal ein Drittelmeiner Rezension ausmachte.

Ich habe wenig Lust, hierbei in die Spezifika zu gehen, aber der Leser darf sich gerne noch einmal meiner Rezension widmen und sehen, wie ich gerade in diesem eher kritischen Teil versucht habe, sehr vorsichtig zu formulieren, und eher mit persönlichen Eindrücken als mit standfesten Positionen aufwarte. Einem Blogger – selbst wenn wir unter dem Verdacht stehen, zu schnell zu schreiben – darf man dabei gerne zugestehen, dass solche Formulierungen bewusst gewählt sind.

Dabei ist es dann dem Autor des Buches überlassen, den Rezensenten für unfähig zu halten, die Komplexität des eigenen Ansatzes zu verstehen. Nichts davon würde ich irgendwem übel nehmen. Denn man erinnere sich: Ich gehe ganz bewusst davon aus, in dieser Rezension persönliche Eindrücke weiterzugeben, die auch bewusst von meiner persönlichen Frömmigkeit geprägt sind. Das ist das Medium – und niemand fordert ja von der FAZ, mehr bewegte Bilder in ihrer Zeitschrift unterzubringen.

Das wäre mir eine wichtige Feststellung, nämlich dass es sich bei meinem Blog – und der Rubrik gelesen & geschätzt – nicht um einen Ort akademischer Disputation handelt, sondern um ein Ringen nach geistlichem Leben. Und das mag einseitig sein, ist aber, denke ich, was ich besser kann.


Soviel für Heute,


Marcus-B.

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