Davon die Alten sungen... (24.03.2015)

Meistens hat Christsein mehr etwas mit Rechthaben zu tun,

als mit dem Frieden Gottes.

Philipp Spitta sieht das etwas anders.

Philipp Spitta – Ich und mein Haus, wir sind bereit #4


Gieß deinen Frieden auf das Haus
und alle, die drin wohnen, aus;
im Glauben uns verbinde.“

Es gibt solche Momente, in denen ich vermuten möchte, dass die alten Grabenkämpfe zwischen verschiedenen Christen abgebrochen wurden, und wir endlich beginnen, gemeinsam auf das Ziel zuzulaufen, nicht mehr uns gegenseitig Nägel auf den Weg zu werfen, damit die Reifen platzen und wir zeigen können, dass unser Art die Reise zu machen die bessere, schneller ist.

Aber es braucht meistens nur einen Blick auf Facebook, und die düstere Realität die hinter Internetkommentaren steht, um mich dieser Illusion zu berauben. Selbst, wenn man sich nicht hinter der fragilen Decke der Internetanonymität verstecken kann, sondern Klarnamen benutzt, scheint die Möglichkeit, zu kommentieren, ohne einem anderen Menschen ins Gesicht sehen zu müssen, in uns das Schlechteste nach außen zu kehren.

Meistens. Oder oft zumindest.

Aber der Punkt ist natürlich, dass ich erst 25 Jahre alt bin, was weiß ich schon? Und ich habe auch meinen Anteil an fruchtlosen Debatten geführt, meine Argumente und mein Weltbild getestet, und wenn ich bemerkte, dass sie nicht ausreichen, oder es Risse bekommt, habe ich angefangen, zu schießen, weil die Anderen zu zerstören mir humaner vorkam, als mein eigenes Weltbild der Schande preiszugeben, es anpassen zu müssen.

Philipp Spitta zeigt mir diese Woche an jedem Morgen, dass es zwei Grundlagen dafür gibt, Einheit miteinander zu finden.

Zum Einen brauche ich den Frieden Gottes, um Frieden mit Anderen zu machen. Das erinnert an den alten, liturgischen Gruß, der in vielen Kirchen zum Abendmahl gemacht wird, wenn man vom Frieden Gottes zum Frieden miteinander übertritt, und sich gegenseitig den Frieden Gottes wünscht.

Zu Wissen, dass ich Frieden mit Gott habe, sollte mich ruhiger und gelassener machen, wenn ich anderen Menschen begegnen. Zum Einen, weil ich weiß, dass alle meine Weisheit und Gelehrsamkeit keinen Anteil daran hat, dass ich Frieden mit Gott habe. Es ist ein Geschenk, und wie soll ich Stolz für das Erhalten eines Geschenkes entwickeln? Zum Anderen bin ich davon überzeugt, dass die Leute denen ich begegne, diesen Frieden auch brauchen – ganz egal, ob sie mit Jesus unterwegs sind, auf die Weise, die meine Tradition mich lehrt, oder auf eine andere Weise, oder ob sie ihn nicht sehen. Und immerhin ist es ein Friede, der alle Erkenntnis übersteigt (Phil 4,7).

Vielleicht kann dann: „Du hast unrecht, lass mich dir die Wahrheit zeigen.“ werden zu „Ich bin auch auf dem Weg. Lass mich dir zeigen, wie ich Frieden gefunden habe.“

Aber dann führt dieser Frieden – sollte er jedenfalls – auch zu einer Gemeinschaft im Glauben. Das ist der Frieden, der daraus fließen soll, in einer Gemeinschaft zu stehen, die den gleichen Weg gehen, die nicht auf Grund von fragiler Gefühle verbunden ist, sondern von einer Überzeugung, die auch Sturm und Dürrezeiten überdauert. Wahrheit ist Wahrheit, egal wie die Umstände sind. Die Frage ist dabei nicht, ob sie existiert, sondern, wie viel wir von ihr schon erkannt haben. Ich schon erkannt habe, mit 25 Jahren und einem halb-abgeschlossenen Master-Studium. Nichts davon hält mich ab, als Wahrheit zu bezeugen, was ich als Wahrheit erkannt habe. Es stellt mich in eine Gemeinschaft, in der ich zu Ostern, mit einem vollen Herzen und freudiger Seele verkünden darf, dass Jesus auferstanden ist – oder besser (weil ich in der Menge sitze), rufen darf, dass er wahrhaftig auferstanden ist.

Ja, es ist Wahrheit, die mich in diese Gemeinschaft stellt. Aber ich wünsche mir, dass Wahrheit dabei nicht unsere Verbindung stört. Sondern Wahrheit zu dem wird, was mir halt gibt, was ich dir sagen darf, weil du mir deine ja auch sagst.

Aber in alledem finde ich Gemeinschaft nicht im Gewinnen von Diskussionen,

sondern im Frieden, der ausgegossen wird.

Nicht, den ich schöpfe.

Sondern der, der ohne mein Zutun ausgegossen wird.


Soviel für heute.


Marcus

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