Davon die Alten sungen... (17.03.2015)

Ein paar Gedanken darüber,

ob Gnade Schwäche bedeutet.

Und was ein gebender Lebensstil ist.

Philipp Spitta – Ich und mein Haus, wir sind bereit #3


Lass unser Haus gegründet sein
auf deine Gnade ganz allein
und deine große Güte.“


Manchmal, wenn Anders-Denkende meinen Blog lesen, dann bekomme ich die Rückmeldung, dass sie die Gedanken ja eigentlich ganz nett finden. Aber es ihnen irgendwie so vorkommt, als wäre dieses ganze Christending eher etwas für schwache Menschen.

Überall wird man mit seiner eigenen Unperfektheit konfrontiert. Und anstatt sie einfach anzunehmen, verweist man dann auf Einen, der angeblich „perfekt für mich“ war, und versucht danach wieder, perfekt zu sein. Bis man versagt. Und dann wird wieder auf den Stellvertreter verwiesen.

Was einen wichtigen Teil meines geistlichen Lebens ganz gut zusammenfasst.

Wo ich aber noch nicht ganz mitkomme, ist der Gedanke, dass es sich dabei um eine Schwäche handeln soll. Natürlich, den Vorwurf, dass religiöse Menschen (allen voran die Christen) in Luftschlössern wohnen, kenne ich. Und dass die Vertröstung auf ein Jenseits im Hier und Jetzt wenig Unterschied macht, als dass es einem beim stoischen Durchhalten von Schicksalsschlägen hilft.

Aber ich bin skeptisch (natürlich).

Es mag natürlich sein, dass ihr noch nie richtige Fehler gemacht hat. Eine Entscheidung getroffen, und andere Menschen dadurch verletzt, geschädigt, vielleicht sogar zerbrochen habt. Und ihr euch danach gefragt habt, wie es weitergehen soll.

Denn wenn ihr in einer solchen Situation steckt, dann habt ihr zwei Möglichkeiten (zumindest sehe ich keine Weitere).

Die Eine wäre, dass ihr einfach weitermacht, weil es euch ja gut geht. Das ist freilich eine zutiefst egomanische Herangehensweise an das Leben. Aber solange ihr heil bleibt, könnt ihr auch weiter machen. Hinter euch die Leichen, vor euch der Sonnenaufgang, zwingt euch niemand, nach hinten zu sehen. Und was ihr dabei auf dem Weg fallen lasst, brauch euch drei Schritte weiter ja nicht mehr zu interessieren.

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“, hat Helmut Schmidt mal geantwortet, als er auf eine recht scharfe Aussage angesprochen wurde.

Aber aus einem Grund will ich mich dafür nicht entscheiden. Wenn ich ein Mensch sein möchte, der anderen Menschen gut tut, dann muss es einen anderen Weg geben als diesen. Dann muss es einen Weg geben, nach Fehlern um Verzeihung bitten zu können, und Gnade und Barmherzigkeit zu sehen. Und diese im Anschluss weitergeben zu können, wenn man selbst verletzt wird.

Was ziemlich deutlich wird für mich: je weiter ich diese Reise Richtung Herrlichkeit begehe, desto mehr erkenne ich, dass ich nur dann Gnade weitergeben kann, wenn ich selbst Gnade erlebt habe. Mein Lebensstil und mein Verhältnis zu Gott und der Welt hängt zum größten Teil davon ab, von welchem Startpunkt ich diese Reise begonnen habe.

Ich will Gnade als diesen Startpunkt wählen, damit Gnade ist, was mein Leben bestimmt.

Nicht, dass es irgendwie einfach ist, gnädig zu sein, wenn andere Menschen dich verletzen. Aber wenn die Entscheidung dafür getroffen ist, dann haben wir das Versprechen, dass wir dabei nicht alleine gelassen werden – denn Christus (ist) in uns, und der Heilige Geist durch ihn verändern uns Schritt für Schritt in das Urbild der Gnade, die Quelle der Gnade, den gekreuzigten Christus.

Nicht, dass es einfach für ihn war, zu rufen: „Vater, vergib ihnen...“, als er an diesem verdammten Kreuz hing.

Aber offensichtlich hatte es einen Sinn, denn Stephanus scheint das irgendwie beeindruckt zu haben (Apg 7,60).

Ihr könnt euch natürlich entscheiden, den einfachen Weg zu gehen. Mauer hochfahren, und wenn jeder an sich selbst denkt, ist auch an alle gedacht.

Wenn ich aber Stein für Stein dieses Leben aufbaue, dann wünsche ich mir, dass Gnade das Fundament ist. Die Gnade, die Christus ausgegossen hat und nicht müde wird, auszugießen.

Das ist nicht einfacher, aber es scheint mir irgendwie schöner zu sein.


Soviel für heute.


Marcus

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