Davon die Alten sungen... (10.03.2015)

Was uns fehlt, wenn wir nur Reichtum und Macht haben,

aber keine Demut?

Alles!


Philipp Spitta – Ich und mein Haus #2


Gibst du uns irdisch Glück ins Haus,
so schließ den Stolz, die Weltlust aus,
des Reichtums böse Gäste.
Denn wenn das Herz an Demut leer
und voll von eitler Weltlust wär,
so fehlte uns das Beste.“


Gregor Meyle sing in einem seiner Lieder, dass „[D]er Weg ist das Ziel, und alles bekommt man nie, und jeder fragt sich, wie man reich, berühmt und schön wird.“ Und das ist nicht nur „in der Welt“ so. Bei Christen finden wir zunehmend das Gefühl, jemanden darstellen zu müssen. Je nachdem wie tief mach das fromme Vokabular verinnerlicht hat, mag dieser Wunsch, jemanden darzustellen, sich von Geld, Karriere und Sex weg entwickeln, und sich durch Bibelwissen, Macht und Status auszeichnen.

Der Drang ist dennoch derselbe.

Und tatsächlich ist es ja nicht so, als würde Gott seinen Kindern nicht hin und wieder auch Erfolg im Job und auf der Bank schenken. Nicht alle christlichen Kontos sind leergefegt, nicht alle Christen werden Sozialarbeiter oder Krankenschwester. Und daran ist ja nun wirklich auch nichts Schlechtes.

Mich fasziniert diesen Monat, dass Philipp Spitta in seinem Lied nicht davon singt, dass er diesseitiger Freuden vollkommen entsagen will; in manchen Kreisen pietistischer Frömmigkeit war das ja durchaus Gang und Gäbe und zeigt sich auch heute immer wieder. Vielmehr will er sich der Gefahr bewusst sein, die mit Glück und Erfolg ins Haus einfallen wollen. „Des Reichtums böse Gäste“ nennt er den Stolz und die Weltlust, was soviel bedeutet wie Hedonismus, die Lust an der Lust an sich.

Es ist wohl die alte Frage, ob du dein Geld besitzt, oder dein Geld dich, der schon Fitzgerald im Großen Gatsby auf den Grund gegangen ist, oder moderner: Andreas Eschbach in seinem großartigen Werk „Eine Billion Dollar“.

Wobei ich den Gedanken vielleicht faszinierender finde, dass der Problem nicht nur im Stolz liegt, der „die Wurzel aller Sünde“ ist. Sondern darin, dass einem Herzen voller „Weltlust“ eigentlich „das Beste“ fehlt – Demut.

Das Problem mit Demut ist ja, wie fragil und flüchtig sie ist. Wird sie beim Namen genannt, hat sie sich schon entfernt. Man redet entsprechend nur in ihrer Abwesenheit von ihr. Und wenn sie anwesend ist, dann nimmt man sie nicht wahr, zumindest nicht als sie selbst. Sie existiert, ohne erkannt werden zu wollen.

Und darin liegt wohl das tiefste Problem für uns als Menschen: Wir wollen erkannt werden. Die Werte, die wir leben, die Ideologien, an denen wir festhalten, das Wissen, das wir anhäufen, die Talente, die wir besitzen, die Qualitäten, die uns ausmachen – wir wollen dafür nicht nur erkannt, sondern auch komplimentiert und gewertschätzt werden. „Das hast du gut gemacht.“ oder „Genau deswegen liebe ich dich.“ gehören zu den wichtigsten gesellschaftsformenden Sätze, die wir aussprechen können. „Achja? Erzähl mir mehr davon.“

Deswegen ist Demut etwas, das uns von Außen geschenkt werden muss, und das in seiner Essenz aus dem Bewusstsein von dem speisen muss, was Christus für uns getan hat. Wenn nämlich unser Wert uns unsere Anerkennung nicht aus den Qualitäten kommt, die wir innewohnend haben, sondern von außen, ohne dass wir etwas dazu tun können, dann sind wir frei; frei, uns von gesellschaftlichen Vorgaben abzunabeln, die festschreiben, ab wann ein Mensch wertvoll ist.

Nicht, weil ich kann, finde ich Demut.

Sondern weil Jesus kann, wird mir Wert geschenkt.


Soviel für heute.

Marcus.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0